| Kanji | 普及形 二 |
|---|---|
| Bedeutung | Verbreitungsform Zwei |
| Schöpfer | Miyagi Chojun (Goju-Ryu, 1888–1953) |
| Entstehung | 1940, Okinawa Karate-Do Rengokai |
| Im Seibukan | Ab 6. Kyu (Grüngurt) |
| Typische Stände | Zenkutsu Dachi (Hauptstand), Shiko Dachi |
| Embusen-Typ | Erweiterte Richtungswechsel; Goju-Ryu-geprägte Ausführung |
| Schwerpunkt | Chudan Uchi Uke, neue Bewegungsdynamik, vertieftes Hikite |
Eine eigenständige Form – andere Schule, andere Prägung
Fukyugata Ni begegnet dem Schüler auf dem 6. Kyu (Grüngurt). Sie stammt nicht aus derselben Stilrichtung wie Fukyugata Ichi – Miyagi Chojun repräsentiert mit dem Goju-Ryu eine grundlegend andere karatistische Tradition als Nagamine Shoshin (Shorin-Ryu). Beide Formen wurden für dasselbe Standardisierungsprojekt entwickelt, sind aber in Bewegungscharakter und stilistischer Prägung eigenständig.
Wer Fukyugata Ni beginnt, merkt: Die Struktur wirkt vertraut, stellt aber andere Anforderungen. Statt aufbauender Steigerung eine andere Perspektive auf dieselben Grundprinzipien des Karate.
Entstehung und Herkunft
Fukyugata Ni wurde 1940 von Miyagi Chojun (1888–1953) geschaffen. Miyagi war der Begründer des Goju-Ryu – eines der bedeutenden okinawanischen Hauptstile, bekannt für seine Verbindung harter (go) und weicher (ju) Techniken. Er zählt zu den einflussreichsten Karate-Meistern des 20. Jahrhunderts.
Damit kamen Fukyugata Ichi und Ni aus zwei grundlegend verschiedenen Stilrichtungen: Nagamine Shoshin (Shorin-Ryu-Linie) und Miyagi Chojun (Goju-Ryu). Die Formen sind eigenständige Beiträge zu einem gemeinsamen Standardisierungsprojekt – keine aufeinander aufbauende Serie.
(Anmerkung: In der Goju-Ryu-eigenen Tradition tragen Miyagis standardisierte Anfänger-Katas andere Namen. Die Fukyugata-Bezeichnung etablierte sich in den Stilen, die das Standardisierungsprojekt der Okinawa Karate-Do Rengokai übernahmen.)
Technische Merkmale
Fukyugata Ni behält den klaren Grundaufbau der ersten Form, erweitert aber das Bewegungsrepertoire:
- Einführung von Chudan Uchi Uke (innerer Armblock) als Hauptblockform
- Stärkere Betonung des Hikite (Rückziehhaltung) als aktive Bewegungskomponente
- Erweiterte Richtungswechsel
- Rhythmische Variationen innerhalb der Sequenzen
Neben Zenkutsu Dachi kommt in der Seibukan-Ausführung Shiko Dachi (Sumo-Stand) eine prominentere Rolle zu – mit tiefen, stabilen Positionen und intensiverem Kushin-Einsatz als in Fukyugata Ichi. Die Qualitätsanforderungen aus der ersten Kata gelten fort – und werden in neuen Bewegungsmustern erneut überprüft.
Im Goju-Ryu wird stattdessen Sanchin Dachi verwendet – im Seibukan-Curriculum hat Shimabukuro Zenpo die Ausführung mit Zenkutsu/Shiko Dachi adaptiert.
Im Shorin-Ryu Seibukan
Im Seibukan-Curriculum wird Fukyugata Ni auf dem 6. Kyu (Grüngurt) eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kihon-Programm erheblich gewachsen: Ashi Uke und Shuto Uke kommen hinzu, das Zenshin-Kotai-Programm umfasst Neko-Ashi-Dachi-Sequenzen und komplexere Kombinationen.
Was Fukyugata Ni lehrt
- Stilistische Offenheit: Karate-Prinzipien, die aus einer anderen Schule kommen, erkennen und aufnehmen
- Differenzierung: Verschiedene Block- und Stoßformen präzise unterscheiden
- Anpassung: Ähnliche Struktur, andere Anforderungen – Flexibilität im Denken
Quellen: Okinawa Prefectural Archives; Bishop, Mark – „Okinawan Karate" (1989); Quellenverzeichnis.md